Asbest entsorgen in Österreich: Wege, Regeln, Annahmestellen
23. September 20265 Min. Lesezeit

Asbesthaltige Baustoffe sind in Österreich seit 1. Jänner 2007 gefährlicher Abfall. Wie Sie sie loswerden, hängt an zwei Fragen: Um welches Material geht es, und arbeiten Sie selbst am eigenen Haus oder beauftragen Sie einen Betrieb? Für Eternit- und Wellplatten gibt es einen eigenen Ratgeber, dieser Artikel deckt alle Materialien ab.
Auf einen Blick
- Asbest darf nur staubdicht verpackt transportiert werden, üblich ist ein Big Bag mit der Aufschrift „Asbest“.
- Fest gebundenen Asbest dürfen Privatpersonen am eigenen Haus unter Auflagen selbst abbauen und anliefern.
- Wer einen Betrieb beauftragt, braucht seit 31. März 2026 einen, der bei der Arbeitsinspektion als ermächtigt gelistet ist.
- Die Deponie verlangt je nach Anlage etwa 78 bis 265 € pro Tonne.
Selbst entsorgen oder einen Betrieb beauftragen
Selbst, am eigenen Haus. Eine Privatperson, die allein arbeitet und niemanden beschäftigt, fällt nicht unter das Arbeitnehmerschutzrecht. Für sie gilt das Abfallrecht, und das verlangt, staubfrei zu arbeiten: Platten also nicht brechen, anbohren oder schleifen. Das kommt nur bei fest gebundenem Asbest wie Wellplatten infrage. Ausdrücklich erlaubt ist die Eigenleistung in keinem Gesetz, sie ergibt sich daraus, dass die Schutzvorschriften nur für Arbeitgeber:innen gelten. Hilft ein Nachbar oder Verwandter mit, ist die Lage unklar. Im Zweifel fragen Sie beim zuständigen Arbeitsinspektorat nach.
Über einen ermächtigten Betrieb. Das ist Pflicht, sobald Sie jemanden mit der Arbeit beauftragen. Der Betrieb muss auf der Liste der ermächtigten Unternehmen der Arbeitsinspektion stehen. Er meldet die Arbeiten vor Beginn beim Arbeitsinspektorat, verpackt das Material vor Ort und bringt es mit Begleitschein zur Deponie.
Bei Spritzasbest, asbesthaltigen Putzen und Dämmungen ist der Betrieb der einzige Weg. Schwach gebundener Asbest gibt schon bei Erschütterung Fasern ab und braucht eine abgeschottete Baustelle mit Unterdruck und eine Freimessung am Ende. Dafür ist nur ein Teil der Betriebe ermächtigt.
Welches Material wie entsorgt wird
Ob ein Material fest oder schwach gebunden ist, entscheidet über den Weg. Sicherheit gibt nur eine Materialprobe im Labor, sie kostet in Österreich etwa 150 bis 300 € je Probe.
| Material | Worauf es ankommt | Selbst möglich? |
|---|---|---|
| Wellplatten, Eternit Dach, Fassade, Garage |
Fest gebunden. Platten ganz abheben statt brechen. | Ja, unter Auflagen |
| Asbestzementrohre Wasser, Abwasser, Lüftung |
Das Rohr ist fest gebunden, eine Isolierung darum oft nicht. | Rohr ja, Isolierung nein |
| Floor-Flex-Bodenplatten Keller, Flur, Küche |
Platten fest gebunden, der schwarze Kleber darunter kann Asbest enthalten. | Nur ohne Schleifen |
| Fliesenkleber Bad und Küche bis in die 1990er |
Wird beim Abschlagen der Fliesen zerstört und setzt Fasern frei. | Besser ein Betrieb |
| Spritzasbest, Putz, Dämmung Tiefgarage, Stahlträger, Turnhalle |
Schwach gebunden, gibt schon bei Erschütterung Fasern ab. | Nein, nur ein ermächtigter Betrieb |
Beim Rohr lohnt ein zweiter Blick: Mörtel zur Rohrisolation oder Dichtungsschnüre führt die Arbeitsinspektion unter den schwach gebundenen Produkten, auch wenn das Rohr selbst fest gebunden ist. Bei Bodenplatten und Fliesen entscheidet der Kleber darunter über den Aufwand, nicht der Belag.
Wohin damit, je nach Bundesland
Die Annahme regelt jedes Bundesland anders, oft sogar jede Gemeinde. Wien betreibt keine eigene Asbestdeponie mehr, Oberösterreich und die Steiermark haben eigene Annahmedeponien.
| Bundesland | Annahmestelle | Besonderheit |
|---|---|---|
| Oberösterreich | Altstoffsammelzentren | 60 kg pro Anlieferung und Tag kostenlos, höchstens 500 kg im Jahr; darüber 0,16 €/kg (ab 1.1.2026, außer Bezirk Freistadt) |
| Wien | Mistplätze, Rinter (MA 48) | Mistplätze nur für in Wien Gemeldete: bis ½ m³, kein Stück größer als 90 × 90 cm; größere Platten unzerteilt zum Standort Rinter |
| Niederösterreich | Deponien, z. B. Karlstetten (BVD) | Keine landesweite Kleinmengen-Regel gefunden; Deponien wie Karlstetten nehmen kleinere Mengen auch von Privaten |
| Steiermark | Spezialisierte Entsorger und Deponien | Anlieferung meist sortenrein im Big Bag, oft mit Begleitschein |
| Kärnten | Altstoffsammelzentrum der Gemeinde, Recyclingzentrum Villach | Kleinmengen über das ASZ; Entsorger wie KAB und Gojer nehmen nur im Big Bag an |
| Salzburg | Recyclinghof Stadt Salzburg, Recyclinghöfe der Gemeinden | Eigener Eternit-Container, 0,60 €/kg (2026); in den Gemeinden nachfragen |
| Tirol | z. B. Abfallwirtschaftszentrum Zams (Prantauer) | Nur sortenrein in Big Bag oder Plattensack; keine landesweite Recyclinghof-Regel gefunden |
| Vorarlberg | Altstoffsammelzentren der Gemeinden, z. B. Feldkirch | Feldkirch: 0,43 €/kg (2026); andere ASZ vorher fragen |
| Burgenland | Stationen des Umweltdiensts Burgenland | Nicht jedes Gemeinde-ASZ nimmt Asbest an; Big Bags beim Umweltdienst |
Unverpackt nimmt keine Annahmestelle Asbest an. Rufen Sie vor der Fahrt an, Freimengen und Öffnungszeiten ändern sich.
Verpacken und anliefern
Asbest darf nicht offen transportiert werden. Zulässig sind Big Bags oder gedeckte, staubdichte Container. Offene Bauschuttmulden sind es nicht. Der Behälter trägt den Hinweis „Asbest“ und bleibt geschlossen.
Landet auch nur ein Stück Asbestzement in einer normalen Bauschuttmulde, gilt der ganze Container als Asbestabfall und wird auch so verrechnet.
Wer privat mit dem eigenen Auto oder Anhänger anliefert, braucht keinen Begleitschein und keine Registrierung. Beides betrifft nur Unternehmen, die Asbest im Auftrag entsorgen.
Was die Entsorgung kostet
Bei den Kosten gibt es zwei getrennte Posten. Die Deponie verlangt je nach Anlage etwa 78 bis 265 € pro Tonne. Altstoffsammelzentren und Recyclinghöfe rechnen meist pro Kilo ab, über der Freimenge zum Beispiel 0,16 € in Oberösterreich, 0,43 € in Feldkirch und 0,60 € in der Stadt Salzburg (Stand 2026). Die Arbeit eines Betriebs kostet deutlich mehr, beim Dach rund 25 bis 50 € pro m². Die Preise nach Bauteil stehen im Kostenratgeber, eine Spanne für Ihre Fläche rechnet der Kostenrechner.
Weiterlesen
Wie Sie Eternit- und Wellplatten Schritt für Schritt abbauen und was bei falscher Entsorgung droht, steht im Ratgeber Eternitplatten entsorgen. Ob in Ihrem Haus überhaupt Asbest verbaut ist, klärt der Ratgeber Asbest testen lassen.
Quellen: Arbeitsinspektion (Ermächtigungspflicht, schwach gebundene Produkte), Abfallverzeichnis nach ÖNORM S 2100 (SN 31412, gefährlicher Abfall seit 2007), Tarife und Annahmeregeln der genannten Stellen wie im Ratgeber Eternitplatten entsorgen. Stand: September 2026.
Für alles, was Sie nicht selbst machen dürfen oder wollen
Beschreiben Sie Ihr Vorhaben einmal. Wir bieten die Anfrage ermächtigten Betrieben in Ihrer Region an, zuerst ohne Ihre Kontaktdaten. Wer sie übernimmt, meldet sich direkt bei Ihnen, meist innerhalb von ein bis zwei Werktagen. Für Sie kostenlos und unverbindlich.
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