Asbest im Fliesenkleber: Baujahr, Risiko, Entfernen
7. Oktober 20265 Min. Lesezeit

Fliesenkleber, der vor 1990 verarbeitet wurde, kann Asbest enthalten. Nach Schweizer Erhebungen trifft das auf etwa 25 bis 30 Prozent dieser Kleber zu. Solange die Fliesen an der Wand oder am Boden bleiben, ist das kein Gesundheitsrisiko. Zum Problem wird es meist erst bei der Badsanierung: Wer Fliesen abschlägt oder Kleberreste abschleift, setzt Fasern frei. Ansehen kann man dem Kleber das nicht, klären lässt es sich mit einer Materialprobe.
Auf einen Blick
- Verdächtig ist jeder Fliesenkleber aus der Zeit vor 1990, an der Wand wie am Boden, dazu Fugenmörtel und der Kleber von Sockelleisten.
- Im Alltag gibt der Kleber keine relevanten Fasermengen ab, auch wenn sich einzelne Fliesen lösen.
- Abschlagen setzt viele Fasern frei, Abschleifen noch deutlich mehr.
- Für das Entfernen braucht es einen Betrieb von der Liste der Arbeitsinspektion, selbst abschlagen ist keine gute Idee.
Welcher Fliesenkleber verdächtig ist
Asbest wurde Fliesenklebern in kleinen Mengen beigemischt, damit sie sich besser verarbeiten ließen. In Proben liegt der Gehalt meist unter einem Prozent, Rezepturen aus den 1970er- und 1980er-Jahren nennen bis zu 10 Prozent. Mit dem österreichischen Asbestverbot von 1990 endet auch dieser Zeitraum: Die Schweizer Fachplattform Polludoc rechnet bei Klebern ab 1990 nicht mehr mit Asbest.
Für die Zeit davor gilt:
- Betroffen sind Wand- und Bodenfliesen gleichermaßen, also Bad, Küche, WC, Vorraum und Keller.
- Der Kleber von Sockelleisten aus Fliesen enthält häufig Asbest, oft ist es ein anderer Kleber als der unter den übrigen Fliesen.
- Dünnbettkleber ist häufiger betroffen als Dickbettkleber. Fliesen, die direkt in Zementmörtel gesetzt wurden, sind in der Regel asbestfrei, besonders sehr alte Verlegungen vor 1950.
- Auch der Fugenmörtel kann Asbest enthalten.
- Unter Fliesen kann zusätzlich asbesthaltiger Putz sitzen.
Vom Aussehen der Fliesen lässt sich nicht auf den Kleber schließen. Auch gleich aussehende Fliesen können mit unterschiedlichem Kleber verlegt sein. Ein Bad, das nach 1990 neu verfliest wurde, ist nicht automatisch unbedenklich: Oft sitzen neue Fliesen auf alten, und der alte Kleber steckt darunter.
Eine schwarze, teerartige Schicht unter alten Bodenplatten ist oft gar kein Fliesenkleber. Meist gehört sie zu Floor-Flex-Platten oder alten Kunststoffbelägen. Auch dieser Kleber kann Asbest enthalten und gehört ins Labor.
Wann es gefährlich wird
Fliesenkleber gilt nach der Baumappe der Bundesinnung Bau als fest gebundener Asbest. Eine lockere Fliese oder ein Riss in der Fuge ändert daran nichts: Bei normaler Nutzung entstehen keine relevanten Fasermengen.
Das ändert sich, sobald jemand das Material bearbeitet. Polludoc stuft die Arbeiten so ein:
- Wer privat ab und zu ein Loch für einen Handtuchhalter bohrt, geht kein relevantes Risiko ein. Dabei werden zwar Fasern frei, aber nur für sehr kurze Zeit. Den Staub danach mit einem feuchten Tuch aufnehmen, nicht zusammenkehren.
- Beim Abschlagen oder Abspitzen von Fliesen samt Kleber messen die Schweizer Stellen einige Zehntausend bis 100.000 Fasern pro Kubikmeter Luft. Polludoc nennt das eine mittlere Gefährdung.
- Wer Kleberreste abschleift, kommt auf 100.000 bis eine Million Fasern pro Kubikmeter, also eine hohe Gefährdung.
Die österreichische Unfallversicherung AUVA zieht für Betriebe die Grenze bei 15.000 Fasern pro Kubikmeter. Darüber ist eine Arbeitsweise nicht zulässig, und für Fliesen mit asbesthaltigem Kleber führt sie das Abschleifen mit herkömmlichen Schleifgeräten ausdrücklich auf.
Wie man es herausfindet
Für die Laborprobe muss genug Material aus der Wand oder dem Boden, laut Polludoc mindestens 5 Gramm. Kleber und Fugenmörtel derselben Fläche dürfen in eine gemeinsame Probe. Wand, Boden und Sockelleisten werden dagegen getrennt beprobt, und jedes Bad für sich. In einem Einfamilienhaus kommen so 4 bis 8 Proben zusammen, bei 150 bis 300 Euro pro Analyse in Österreich.
Weil der Asbest im Kleber ungleich verteilt sein kann, widersprechen sich Proben derselben Fläche manchmal. Dann gilt die ganze Fläche als asbesthaltig, bis weitere Proben das Gegenteil zeigen. Wer die Proben nehmen sollte und warum Selbsttests hier wenig helfen, erklärt der Ratgeber Asbest testen lassen.
Dürfen Sie die Fliesen selbst abschlagen?
Verboten ist es Ihnen als Privatperson am eigenen Haus nicht direkt. Die Arbeitnehmerschutzregeln gelten nur für Betriebe, für Sie zählt das Abfallrecht. Das verlangt aber staubfreies Arbeiten, und daran scheitert es bei Fliesen. Anders als eine Eternitplatte lässt sich eine Fliese nicht im Ganzen abnehmen, sie bricht, und der Kleber bröckelt mit. Ohne Absaugung und Abschottung landet der Staub im Rest der Wohnung. Lassen Sie das deshalb einen Betrieb machen.
Auch eine einzelne kaputte Fliese auszutauschen, setzt nach Polludoc geringe bis mittlere Fasermengen frei. Für Handwerker gelten dafür schon Schutzmaßnahmen. Wer sichergehen will, lässt auch das einen Betrieb machen.
Wer die Fliesen entfernt und wie
Den Auftrag bekommt in Österreich nur ein Betrieb, der auf der Liste der ermächtigten Unternehmen der Arbeitsinspektion steht, die Übergangsfrist ist am 31. März 2026 abgelaufen. Viele dieser Betriebe sind Dachdecker. Für Bad oder Küche lohnt die Frage, wie oft der Betrieb schon in bewohnten Räumen gearbeitet hat.
Das AUVA-Merkblatt M.plus 267 beschreibt für Fliesen mit asbesthaltigem Kleber diesen Ablauf:
- Der Betrieb grenzt den Arbeitsbereich ab, schottet ihn gegen die übrigen Räume ab und deckt Einrichtung mit Folie ab.
- Die Fliesen werden mit Handschlägel und Meißel gelöst, möglichst ohne sie zu zerschlagen.
- Eine zweite Person saugt den Staub mit einem Asbestsauger direkt dort ab, wo er entsteht. Freigelegte Flächen werden mit Penetriermittel benetzt.
- Der Schutt kommt sofort in die Entsorgungsverpackung und wird als gefährlicher Abfall entsorgt, siehe Asbest entsorgen.
- Nach dem Trocknen reinigt der Betrieb alles mit dem Asbestsauger und behandelt die Flächen mit Restfaserbindemittel.
Nicht zulässig sind laut AUVA das Abschleifen von Kleberresten mit herkömmlichen Schleifgeräten und elektrische Fliesen- oder Belagsstripper.
Kosten und Alternativen
Unser Kostenratgeber nennt für eine kleine Einzelmaßnahme wie den Fliesenkleber in einem Bad Richtwerte von etwa 500 bis 1.100 Euro, für das Entfernen von Bodenbelägen 60 bis 130 Euro pro Quadratmeter, plus die Proben. Mit dem Kostenrechner können Sie Ihre eigene Fläche grob durchrechnen.
Die alten Fliesen müssen nicht in jedem Fall weg. Wer neu verfliest oder verkleidet, ohne die alten Fliesen abzuschlagen, lässt den Kleber unberührt. Ob das bautechnisch geht, etwa wegen der Aufbauhöhe am Boden, klärt ein Fliesenleger. Den Laborbefund heben Sie am besten auf, dann muss beim nächsten Umbau oder bei einem Verkauf niemand neu Proben nehmen.
Weiterlesen
Was sonst noch in Bad und Küche aus dieser Zeit stecken kann, zeigt der Ratgeber Asbest im Haus erkennen.
Quellen: Baumappe der Bundesinnung Bau, Kapitel D 25 „Arbeiten mit Asbest“ (Fliesenkleber als fest gebunden, Ermächtigung nach § 26 GKV 2025), AUVA-Merkblatt M.plus 267 „Richtiger Umgang mit Asbest“ (Verfahren 7.2 für Wand- und Bodenbeläge, Grenze 15.000 Fasern/m³), Polludoc-Factsheet „Platten-/Fliesenkleber“ (Schweiz: Häufigkeit, Asbestgehalt, Messwerte, Probenahme). Stand: Oktober 2026.
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