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Asbestrohr: erkennen, Trinkwasser, Rohrisolierung

23. Oktober 20269 Min. Lesezeit

Reihen gestapelter grauer Zementrohre im Sonnenlicht
Foto: Harri Hofer / Pexels

Ein Asbestrohr ist ein Rohr aus Asbestzement, einem Gemisch aus Zement und Asbestfasern. In Österreich liegen solche Rohre bis heute in Kanälen und Trinkwasserleitungen, in Häusern dienten sie als Abfluss-, Lüftungs- oder Abgasrohr. Solange das Rohr ganz bleibt, gibt es praktisch keine Fasern ab, erst wer es zersägt oder anbohrt, setzt sie frei. Oft übersehen wird die Ummantelung alter Heizungsrohre. Steckt darin Asbest, ist er schwach gebunden und damit heikler als das Rohr selbst.

Auf einen Blick

  • Asbestzementrohre sind fest gebunden. Intakt geben sie keine nennenswerten Fasern ab.
  • Isolierungen aus Mörtel, Gipsbandagen oder Asbestschnur an Heizungsrohren sind schwach gebunden.
  • Trinkwasser aus Asbestzementleitungen gilt laut WHO nicht als Gesundheitsrisiko. Gefährlich sind eingeatmete Fasern.
  • Mit Flex oder Säge setzen Sie Fasern frei. Ein Betrieb trennt Asbestrohre nur mit langsam laufendem Gerät und Absaugung.
  • Um die Isolierung kümmert sich ein Spezialbetrieb, der auch für schwach gebundenen Asbest ermächtigt ist.

Wo Asbestzementrohre verbaut wurden

Asbestzement enthält rund 10 bis 15 Prozent Asbestfasern, der Rest ist Zement. Die Fasern verbesserten die Festigkeit der Rohre. Das Umweltbundesamt und die Baumappe der Bundesinnung Bau nennen unter anderem diese Einsatzorte:

  • Kanalrohre
  • Druckrohre für Trinkwasserleitungen
  • Abflussrohre im Haus
  • Lüftungsrohre und Lüftungskanäle
  • Abgasrohre
  • Regenfallrohre und Dachrinnen

Im Volksmund heißen sie oft Eternitrohre, nach dem bekanntesten Markennamen für Faserzement. Im Boden sind sie bis heute verbreitet. In Hörbranz in Vorarlberg etwa bestand das rund 40 Kilometer lange Trinkwassernetz 2010 noch zu zwei Dritteln aus Eternitrohren.

Bis wann Asbestrohre verlegt wurden

Bei Rohren reicht der Verdacht länger als bei Dach und Fassade. Die Asbestverordnung von 1990 verbot Blau- und Braunasbest ganz, Rohre aus Asbestzement mit Weißasbest aber nicht. Trinkwasserrohre nahm sie sogar ausdrücklich aus. Auch das Verkaufsverbot ab 1. Jänner 1994 nannte nur Platten und Formstücke für den Hochbau. Verboten sind Asbestrohre in Österreich erst mit dem allgemeinen Asbestverbot vom 1. Jänner 2004.

Ein Rohr aus den 1990er-Jahren ist deshalb nicht automatisch asbestfrei. Allzu viele dürften es nicht sein, denn nach 1990 kam laut Umweltbundesamt nur noch wenig Asbest in Verkehr. In der Schweiz stellte Eternit Rohre bis 150 Millimeter Durchmesser ab 1991 asbestfrei her, alle übrigen samt Tiefbaurohren erst ab 1995.

Woran Sie ein Asbestzementrohr erkennen

Ein Asbestzementrohr ähnelt einem dünnen Betonrohr, wirkt aber feiner. Ein Leitfaden der Handwerkskammer Freiburg in Deutschland, gedacht zur Bestimmung von Kanalrohren, nennt diese Merkmale:

  • Die Oberfläche ist stumpf, matt und fein wie Zementmörtel. Sichtbare Kieskörner sprechen für Beton, Glanz eher für Steinzeug oder Guss.
  • Die Rohre sind meist grau, manche sind schwarz beschichtet.
  • Asbestzementrohre sind immer rund, ein einzelnes Stück ist kürzer als sechs Meter.
  • Verbunden sind sie typischerweise mit einer Reka-Kupplung. Die gab es für Druck-, Kanal- und Abflussrohre aus Asbestzement, bei anderen Werkstoffen kaum.
  • Nach den europäischen Normen für Faserzementrohre aus den 1990er-Jahren steht im Aufdruck der Typ, „AT“ für asbesthaltig und „NT“ für asbestfrei. Ältere Rohre tragen mitunter einen Herstellernamen wie Eternit oder Fulgurit.
  • Ist ein Rohr schon gebrochen, stehen an der Kante manchmal feine Faserbündel heraus.

Prüfen Sie das nur mit den Augen. Wer kratzt oder ein Stück abschlägt, um nachzusehen, setzt genau die Fasern frei, um die es geht. Klarheit schafft erst ein Labor, das eine Materialprobe untersucht. Wer die Probe nimmt und mit welchen Kosten Sie rechnen, erklärt Asbest testen lassen.

Rohr oder Isolierung?

Die Arbeitsinspektion führt Rohrleitungen aus Asbestzement unter den fest gebundenen Produkten. Asbesthaltigen Mörtel zur Rohrisolation und Dichtungsschnüre aus reinem Asbest zählt sie dagegen zu den schwach gebundenen. Für den Aufwand macht es deshalb einen großen Unterschied, ob Sie ein Zementrohr vor sich haben oder die Ummantelung eines Heizungsrohrs.

AsbestzementrohrRohrisolierung
Material Zement mit 10 bis 15 % Asbest Mörtel, Gipsbandage, Schnur oder Pappe, 1 bis 100 % Asbest
Bindung fest gebunden schwach gebunden
Wo Kanal, Wasserleitung, Abfluss, Lüftung Heizungs- und Warmwasserrohre, Kessel
Zeitraum meist vor 1990, erlaubt bis Ende 2003 Asbest zur Wärmedämmung seit 1983 verboten
Selbst entfernen nur als ganzes Stück nein
Betrieb Ermächtigung für fest gebunden Ermächtigung für schwach gebunden

Asbest in der Rohrisolierung erkennen

Alte Heizungs- und Warmwasserrohre in Keller und Heizraum stecken oft in einer harten, gipsartigen Schale. Darunter liegt meist Mineralwolle oder Kork, darüber ein Mörtel, zum Teil mit Drahtgitter, Gaze oder Jutegewebe verstärkt. In Gebäuden aus der Zeit vor 1990 sind asbesthaltige Mörtel und Gipsbandagen laut der Schweizer Unfallversicherung Suva weit verbreitet. In Österreich ist Asbest zur Wärmedämmung seit 1983 verboten.

Worauf Sie achten können:

  • Rohrbögen sind manchmal anders isoliert als das gerade Rohr, etwa mit Asbestgewebe unter der Oberfläche. Sie gehören deshalb eigens geprüft.
  • Eine um das Rohr gewickelte Schnur, teils mit zementartiger Schicht darüber, kann aus Asbest bestehen.
  • Auch schwarze Bitumenanstriche auf Rohren enthalten mitunter Asbest, dort allerdings fest eingebunden.
  • An Pumpen und Armaturen können Flanschdichtungen und Stopfbuchspackungen Asbest enthalten. Solche Dichtungen durften in Österreich bis Ende 1993 verkauft werden.

Im Mörtel steckt meist nur rund 1 Prozent Asbest, manchmal bis 20 Prozent, in der Regel Braunasbest (Amosit). Die Fasern sind ungleich verteilt. Die Schweizer Fachplattform Polludoc empfiehlt deshalb mehrere Proben oder eine Mischprobe aus drei bis fünf Einzelproben desselben Materials. Solange die Isolierung unbeschädigt ist, geht von ihr wenig aus. Wird sie abgeschlagen, entstehen laut Suva große Fasermengen. Brechen Sie also kein Stück für die Probe selbst heraus.

Trinkwasser aus Asbestzementleitungen

Die Weltgesundheitsorganisation hat die Studienlage zu Asbest im Trinkwasser 2021 neu bewertet. Insgesamt sprechen die Daten nicht für ein erhöhtes Krebsrisiko durch getrunkenes Wasser, Studien zu Magen- und Darmkrebs sind uneinheitlich. Einen Grenzwert hält die WHO deshalb nicht für nötig, auch die EU-Trinkwasserrichtlinie von 2020 enthält keinen. Gefährlich ist Asbest, wenn man die Fasern einatmet.

Eine österreichische Studie von 1996 (Neuberger und andere) verglich Trinkwasser aus 24 Gebieten mit Asbestzementleitungen oder natürlichen Asbestvorkommen mit sechs Vergleichsgebieten. Einen deutlich höheren Fasergehalt fand sie nicht.

Gleichgültig ist der Zustand der Rohre trotzdem nicht. Kalklösendes, sogenanntes aggressives Wasser kann den Zement über die Jahre angreifen und Fasern herauslösen. Die WHO rät den Wasserversorgern deshalb, ihre Asbestzementleitungen zu erfassen, das Wasser nicht aggressiv werden zu lassen und schadhafte Rohre zu ersetzen.

Wegen des Trinkwassers allein müssen Sie nichts unternehmen. Für das öffentliche Netz ist Ihr Wasserversorger zuständig, meist die Gemeinde oder ein Verband. Dort können Sie nachfragen, aus welchem Material die Leitung in Ihrer Straße besteht und ob ein Austausch geplant ist.

Liegen lassen oder ausbauen

Ein intaktes Rohr, das nicht im Weg ist, kann bleiben. Asbestprodukte an Ort und Stelle zu lassen, statt sie zu entfernen, nennt auch die WHO als gängigen Rat. Halten Sie aber fest, wo es liegt, damit bei einem späteren Umbau niemand unvorbereitet hineinbohrt.

Selbst ausbauen

Arbeiten Sie allein am eigenen Haus, gelten für Sie nicht die Arbeitnehmerschutzregeln für Asbest, wohl aber das Abfallrecht. Und das verlangt, dass kein Staub entsteht. Bei einem Rohr gelingt das nur, wenn es sich im Ganzen ausbauen lässt. Dann lösen Sie Schellen und Kupplungen, heben das Stück heraus und wickeln es gleich dicht in Folie. Ist es einbetoniert oder müsste es zersägt werden, ist das ein Fall für einen Betrieb. Rohre im Erdreich graben Sie besser nicht selbst aus, weil sie beim Freilegen brechen können.

Isolierungen und Dichtungsschnüre fassen Sie nicht an. Welche Maske sinnvoll ist und warum Sie staubende Stellen befeuchten sollten, steht im Ratgeber Eternitplatten entsorgen.

Durch einen Betrieb

Die Ermächtigungspflicht gilt seit 31. März 2026 für jeden Betrieb, der Asbest ausbaut, also auch für Installateure und Tiefbaufirmen. Wer nicht als ermächtigtes Unternehmen gelistet ist, darf es nicht. Wie Rohre in Räumen ausgebaut werden, beschreibt die AUVA in ihrem Verfahren 7.1. Der Betrieb schottet den Bereich ab, benetzt das Rohr innen und außen mit einem Mittel, das die Fasern bindet, und nimmt es möglichst im Ganzen ab. Muss ein Stück gebrochen werden, wickelt er es vorher in ein feuchtes Tuch und schlägt mit dem Handschlägel zu. Trennen darf er nur mit langsam laufenden Geräten samt Absaugung. Sägen, Fräsen oder Schleifen mit schnellen Maschinen ist nicht zulässig.

In alten Lüftungskanälen kann sich laut Polludoc asbesthaltiger Staub von früheren Arbeiten abgelagert haben, der beim Ausbau aufwirbelt.

An die Isolierung darf nur ein Betrieb, der für schwach gebundenen Asbest ermächtigt ist. Für kleine Stellen bis 10 Kilogramm oder einen halben Quadratmeter sieht die AUVA den Glove-Bag vor, einen Sack mit eingearbeiteten Handschuhen, der dicht um das Rohr geklebt wird. Alles darüber braucht eine abgeschottete Sanierungszone. Die Suva rät bei langen Leitungen, die Rohre Raum für Raum vorsichtig abzutrennen und erst in der Sanierungszone von der Isolierung zu befreien. Spezialbetriebe mit dieser Ermächtigung finden Sie unter Asbestbetriebe für schwach gebundenen Asbest.

Kanalrohre von innen sanieren

Undichte Kanalrohre aus Asbestzement müssen nicht immer ausgegraben werden. In Deutschland ist inzwischen ein Verfahren als emissionsarm anerkannt, mit dem Betriebe Asbestzementkanäle ab 20 Zentimeter Durchmesser mit einem Schlauchliner von innen auskleiden. In Österreich legt der ermächtigte Betrieb das Verfahren in seinem schriftlichen Arbeitsplan fest. Lassen Sie es sich vor der Auftragsvergabe erklären.

Asbestrohre entsorgen

Asbestzementrohre sind gefährlicher Abfall und laufen unter derselben Schlüsselnummer wie Eternitplatten. Für den Transport kommen die Rohre staubdicht in Folie oder einen Big Bag, beschriftet mit „Asbest“. In die normale Bauschuttmulde gehören sie nicht. Isolierungen zählen als eigene Abfallart, um die sich der Betrieb kümmert. Annahmestellen und Preise je Bundesland hat der Ratgeber Asbest entsorgen gesammelt.

Weiterlesen

Wer schon im Heizungskeller nachsieht, kann gleich das übrige Haus mitprüfen, zum Beispiel mit der Liste aus Asbest im Haus erkennen. Wer für neue Abflussrohre Bad oder Küche aufmacht, sollte vorher Asbest im Fliesenkleber lesen.

Quellen: Asbestverordnung, BGBl. Nr. 324/1990 (Verbot von Amphibolasbest, Ausnahme für Trinkwasserrohre, Verkaufsverbot für Platten und Formstücke im Hochbau ab 1994, Dichtungen bis Ende 1993), Umweltbundesamt, „Asbest – Materialien zur Abfallwirtschaft“, Report REP-0177, 2008 (Einsatzorte, Asbestanteile, Verbot für Wärmedämmung seit 1983, allgemeines Verbot seit 2004, Abfallarten), Baumappe der Bundesinnung Bau, Kapitel D 25 „Arbeiten mit Asbest“ (Kanal-, Druck- und Lüftungsrohre, verbotene Arbeitsweisen, Folieren), Arbeitsinspektion, „Asbest – Kein Thema der Vergangenheit“ (Einstufung von Rohrleitung und Rohrisolation), AUVA-Verfahrensbeschreibungen 7.1 „Formstücke aus AZ“, 7.3 „Flachdichtungen und Stopfbuchsenpackungen“ und 7.4 „Glove-Bag-Verfahren“ zum Merkblatt M.plus 267, Stand 09/2018, WHO, „Asbestos in drinking-water“, WHO/HEP/ECH/WSH/2021.4 (Bewertung, Empfehlungen an Versorger, Messung in Österreich nach Neuberger u. a. 1996), Richtlinie (EU) 2020/2184 über Wasser für den menschlichen Gebrauch, Bayerisches Landesamt für Umwelt, Merkblatt 1.8/7 „Asbestzementrohrleitungen in der Wasserversorgung“, 2010 (Deutschland: aggressives Wasser), Handwerkskammer Freiburg, „Sanierung von Asbestzementrohren“, Stand 2004 (Deutschland: Erkennungsmerkmale), DGUV, Emissionsarmes Verfahren BT 61, Stand 01/2025 (Deutschland: Schlauchlining), Polludoc-Factsheets „Faserzement / Asbestzement“ und „Rohrisolationen mit asbesthaltigem Mörtel“ (Schweiz), Suva-Factsheet 33073 „Asbesthaltige Rohrisolationen 1: Überblick“, Stand 12/2013 (Schweiz), VOL.AT, „Tickende Zeitbombe: Asbestrohre in Hörbranz“, 18.02.2010. Stand: Oktober 2026.

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