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Floor-Flex & Vinyl-Platten: Asbest im Bodenbelag

14. Oktober 20267 Min. Lesezeit

Abgetretener Boden aus quadratischen braunen und beigen Platten im Schachbrettmuster
Foto: Eva Bronzini / Pexels

Floor-Flex-Platten sind harte, quadratische Bodenplatten aus PVC. Verlegt wurden sie in den 1950er- bis 1970er-Jahren, und sie enthalten rund 20 Prozent Asbest. Der ist fest in den Kunststoff eingebunden: Solange die Platten liegen, geben sie praktisch keine Fasern ab. Heikler ist ein zweiter Belag aus derselben Zeit, das Cushion-Vinyl. Das ist ein PVC-Belag von der Rolle, und seine Unterseite besteht aus einer Pappe mit 40 bis 98 Prozent schwach gebundenem Asbest. Ob bei Ihnen der eine oder der andere liegt, bestimmt, welcher Betrieb ran darf.

Auf einen Blick

  • Floor-Flex: harte, spröde Platten, oft marmoriert. Fest gebunden.
  • Cushion-Vinyl: weicher Belag in Bahnen, oft mit Fliesenmuster im Relief, Unterseite wie graue Pappe. Schwach gebunden.
  • Unbeschädigt und verklebt sind beide unbedenklich.
  • Beim Herausreißen werden Fasern frei, bei Cushion-Vinyl um ein Vielfaches mehr als bei Floor-Flex.
  • Cushion-Vinyl entfernt nur ein Betrieb mit Ermächtigung für schwach gebundenen Asbest.

Zwei Beläge, die oft verwechselt werden

Das österreichische Umweltministerium hat asbesthaltige Boden- und Wandbeläge in einer eigenen Studie untersucht (Schriftenreihe Band 26/2002). Sie unterscheidet zwei Arten. Beide kamen ab den 1950er- und 1960er-Jahren in Mode, weil sie billig waren und sich leicht sauber halten ließen. Man findet sie in Schulen und Krankenhäusern ebenso wie in Privatwohnungen.

Floor-Flex Cushion-Vinyl
Form einzelne Platten Bahnen von der Rolle, meist 2 bis 4 m breit
Asbest ca. 20 % ca. 40 bis 98 %, nur in der untersten Schicht
Bindung fest gebunden schwach gebunden
Zeitraum 1950er- bis 1970er-Jahre bis 1982 produziert, verlegt womöglich bis 1990
Entfernen Betrieb von der Liste nur Betrieb mit Ermächtigung für schwach gebunden

Allein in Österreich sind nach Schätzung der Studie 15 bis 20 Millionen Quadratmeter Cushion-Vinyl verlegt worden. Bemerkt wird so ein Boden oft erst beim Renovieren, wenn die graue Unterseite zum Vorschein kommt.

Floor-Flex-Platten erkennen

Floor-Flex-Platten heißen auch Flex-Platten oder Vinyl-Asbest-Platten. Sie bestehen etwa zu einem Fünftel aus PVC als Bindemittel, zu einem Fünftel aus Weißasbest (Chrysotil), zur Hälfte aus Kalksteinmehl, der Rest sind Farbpigmente. Der Asbest machte die Platten formstabil und abriebfest. Nebenbei sparte er bis zu 20 Prozent des teuren Kunststoffs.

Typische Merkmale:

  • Quadratische Platten statt Bahnen. Das Material war zu spröde, um es als Rollenware zu verkaufen.
  • Hart und brüchig. Schon leichtes Biegen bricht eine alte Platte. Neuere Vinylplatten sind elastisch und in der Regel asbestfrei.
  • Marmoriertes, wolkiges oder geflammtes Muster bei 1,5 bis 2 Millimeter Stärke.
  • Darunter oft ein schwarzer Bitumenkleber, der seinerseits Asbest enthalten kann.

Eine Fußbodenzeitung von 1978 führt Flex-Platten unter Namen wie Excelon, Deliflex, Colovinyl oder Pastell-Polyflex. Am Aussehen allein lässt sich trotzdem nichts festmachen. Das baden-württembergische Landesamt für Umwelt schreibt, Flex-Platten seien optisch kaum von Linoleum oder heutigem PVC zu unterscheiden.

Cushion-Vinyl erkennen

Cushion-Vinyl, kurz CV-Belag, hat mehrere Schichten. Oben liegt eine geschäumte PVC-Verschleißschicht mit aufgedrucktem Muster, darunter ein Schaumstrich. Ganz unten sitzt eine rund 0,8 Millimeter dicke Asbestpappe als Träger. Sie sollte den Belag polstern und gegen aufsteigende Feuchtigkeit schützen, weshalb man Cushion-Vinyl gern in Bädern und Kellern verlegte.

Woran Sie ihn erkennen:

  • Er liegt in breiten Bahnen, nicht in Platten.
  • Häufig hat er ein Relief, das Fliesen nachahmt, etwa das sogenannte Florentiner Muster.
  • Die Unterseite ist grau und kartonartig. Sie zeigt sich an Rändern, unter Türschwellen oder dort, wo der Belag eingerissen ist.

Wer nach „PVC-Boden mit Filzrücken“ sucht, meint oft genau diese Schicht. Ob es Asbestpappe oder harmloser Filz ist, sieht man dem Rücken nicht an.

Wann es gefährlich wird

Unbeschädigt verklebt sind beide Beläge kein Problem. Beim Cushion-Vinyl steckt der Asbest in der untersten Schicht und kommt beim Begehen nicht heraus. Bei Floor-Flex-Platten wird laut der Schweizer Fachplattform Polludoc selbst aus einzelnen beschädigten Platten so wenig frei, dass keine Gefährdung besteht.

Anders beim Entfernen. Das Battelle-Institut hat 1978 gemessen, wie viele lungengängige Fasern pro Kubikmeter Luft bei verschiedenen Arbeiten entstehen:

Arbeit Floor-Flex Cushion-Vinyl
Begehen, normaler Verschleiß unter 1.000 nicht nachweisbar
Zuschneiden mit der Schlagschere 30.000 225.000
Abschaben 25.000 1.000.000
Abreißen mit der Zange 1.000.000 1.500.000

Ein genormtes Messverfahren gab es damals noch nicht. Die Zahlen taugen also für die Größenordnung, nicht für genaue Vergleiche. Zur Einordnung: Ein Asbestbetrieb muss nach AUVA-Vorgabe abbrechen, sobald seine Arbeitsweise über 15.000 Fasern pro Kubikmeter erzeugt.

Warum Cushion-Vinyl so viel schlechter abschneidet, liegt am Aufbau. Wer den Belag hochzieht, reißt die Asbestpappe mitten durch. Ein Teil bleibt am Kleber auf dem Untergrund hängen, und wer diese Reste abschleift, landet bei 53 Millionen Fasern pro Kubikmeter.

Wie Sie Gewissheit bekommen

Sicher wissen Sie es erst nach einer Materialprobe. Bei Floor-Flex-Platten genügt laut Polludoc eine Probe für jede gleich aussehende Fläche. Belag und Kleber getrennt untersuchen zu lassen, kann sich trotzdem rechnen, denn vom Kleber hängt ab, wie aufwendig das Entfernen wird. Pro Analyse sind in Österreich 150 bis 300 Euro üblich.

Cushion-Vinyl gehört laut Polludoc in jedem Fall ins Labor, und beim Herausschneiden der Probe soll direkt an der Schnittstelle abgesaugt werden. Schneiden Sie also kein Stück selbst heraus, denn genau dabei lösen sich die Fasern. Wie Sie an ein Labor und eine fachkundige Person für die Probe kommen, steht unter Asbest testen lassen.

Können Sie den alten Boden selbst rausreißen?

Die Schutzvorschriften für Asbestarbeiten gelten für Betriebe. Als Privatperson im eigenen Haus fallen Sie nicht direkt darunter. Sie müssen den Abfall aber ordnungsgemäß entsorgen und dürfen dabei keinen Staub verbreiten. Was das für die beiden Beläge bedeutet:

  • Cushion-Vinyl: nein. Die Pappe gibt schon bei geringer Belastung große Fasermengen ab, und die verteilen sich in der ganzen Wohnung. Das gehört in die Hände eines Spezialbetriebs.
  • Floor-Flex: besser nicht. Einzelne Platten herauszunehmen, ohne dass sie brechen, stuft Polludoc als gering riskant ein. Nur brechen die alten Platten leicht, und der Kleber bleibt am Boden zurück.

Abschleifen kommt bei keinem der beiden Beläge infrage.

Wer den Belag entfernt und wie

Asbest entfernen dürfen in Österreich nur ermächtigte Unternehmen von der Liste der Arbeitsinspektion. Für Floor-Flex genügt die Ermächtigung für fest gebundenen Asbest, für Cushion-Vinyl braucht der Betrieb eine für schwach gebundenen Asbest. Solche Betriebe zeigt Ihnen unser Verzeichnis mit dem Filter schwach gebunden.

Für Floor-Flex-Platten gilt das AUVA-Verfahren 7.2, dasselbe wie für Fliesen mit asbesthaltigem Kleber. Der Raum wird abgeschottet, eine zweite Person saugt mit dem Asbestsauger mit, und der Abfall wandert sofort in die Verpackung. Bei Böden kommen zwei Dinge dazu: Die Platten werden mit einem Handschaber gelöst statt mit dem Meißel, und großflächige Kunststoffbeläge schneidet der Betrieb vorher mit dem Belagmesser in schmale Streifen. Elektrische Belagsstripper sind verboten, ebenso das Abschleifen oder Abfräsen von Resten mit herkömmlichen Geräten.

Cushion-Vinyl schließt die AUVA von diesem Verfahren ausdrücklich aus, weil die untere Schicht schwach gebunden ist. Hier gelten die strengeren Regeln für schwach gebundenen Asbest. Kleberreste mit anhaftender Pappe lassen sich laut Ministeriumsstudie mit Lösemitteln ablösen. Das befeuchtet die Fasern gleich mit.

Überdecken statt herausreißen

Was unbeschädigt liegen bleibt, gibt keine Fasern ab. Wer ohnehin einen neuen Boden will, kann ihn darum oft einfach darüberlegen, zum Beispiel schwimmend verlegtes Parkett oder Klick-Vinyl. Der alte Belag darf dabei weder angeschliffen noch großflächig angebohrt werden. Ob die zusätzliche Aufbauhöhe an Türen und Übergängen passt, sagt Ihnen ein Bodenleger.

Schreiben Sie auf, was unter dem neuen Boden liegt, und legen Sie den Laborbefund dazu. Wer das Haus später kauft oder umbaut, muss dann nicht von vorn anfangen.

Was das Entfernen kostet

Unser Kostenratgeber rechnet für asbesthaltige Bodenbeläge mit 60 bis 130 Euro pro Quadratmeter, zuzüglich Laborproben. Kleine Räume kosten pro Quadratmeter mehr, weil Abschottung und Endreinigung bei 4 m² kaum weniger Arbeit machen als bei 40 m². Die Ministeriumsstudie kam für 3 bis 5 Quadratmeter auf mehr als den dreifachen Quadratmeterpreis wie für 40. Ihre Euro-Beträge stammen allerdings aus den späten 1990er-Jahren. Mit Ihren eigenen Quadratmetern rechnet der Kostenrechner.

Seit 2002 stuft das EU-Abfallverzeichnis alle asbesthaltigen Baustoffe als gefährlichen Abfall ein, Floor-Flex-Platten eingeschlossen. Wo Sie den Abfall in Ihrem Bundesland abgeben, steht im Ratgeber Asbest entsorgen.

Weiterlesen

Wenn der Boden aus den 1960er- oder 1970er-Jahren stammt, lohnt ein Rundgang durchs ganze Haus. Worauf Sie dabei achten, steht in Asbest im Haus erkennen. Kommen unter dem alten Boden Fliesen zum Vorschein, hilft Asbest im Fliesenkleber weiter.

Quellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, „Entsorgung von asbesthaltigen Boden- und Wandbelägen“, Schriftenreihe Band 26/2002 (Aufbau, Asbestanteile, Verbreitung in Österreich, Messwerte des Battelle-Instituts von 1978, gefährlicher Abfall ab 2002), AUVA-Verfahrensbeschreibung 7.2 „stark gebundene Boden- und Wandbeläge“ zum Merkblatt M.plus 267, Stand 09/2018 (Ablauf, unzulässige Verfahren, Grenze 15.000 Fasern/m³), Polludoc-Factsheets „Einschichtige Bodenbelags-Platten (Vinyl-Platten / Floorflex)“ und „Mehrschichtige Boden- und Wandbeläge / Cushion-Vinyl“ (Schweiz: Gefährdung, Probenahme, Zeitraum), LUBW-Steckbrief 25.6 „Vinyl-Asbest-Platten“, Stand 09.09.2024 (Deutschland: optische Verwechslung). Stand: Oktober 2026.

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